Digitale Bibliotheken

10.01.2017 05:31 Uhr

Zur Einstimmung:

Albert-Einstein-Archiv ()

Zum Lutherjahr ()

Bible Contradictions ()

Europeana Collection ()

Kölner Papyrussammlung ( )

Skizzenblätter von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Visualisierung) ()

Museen ()

Anne Frank Haus ()

 

Unterschiede? Gemeinsamkeiten? Kategorisierung?

 

 

Eco läßt in seinem Roman „Der Name der Rose“ den Bibliothekar Malachias folgenden denkwürdigen Satz sagen:

„Es genügt, daß der Bibliothekar [die Bücher] kennt und bei jedem Buch weiß, wann es in die Bibliothek gekommen ist. Die anderen Mönche können sich auf sein Gedächtnis verlassen.“ 
[Eco, Umberto: Der Name der Rose; Deutscher Taschenbuch Verlag München, 1986, S. 106]

… seit dem hat sich viel verändert …

1. Was ist eine Digitale Bibliothek?

Digitale Bibliotheken sind Informationssysteme, die das Ziel verfolgen, das kulturelle Erbe in digitaler Form zu erhalten. Sie teilen sich dieses Ziel mit digitalen Archiven und Museen und die Abgrenzung zwischen diesen ist mindestens unscharf. An diese Systeme werden besondere Anforderungen gestellt und eine große Anzahl dieser Systeme sind derzeit mit unterschiedlichem Erfolg im Einsatz.
„Es ist Aufgabe einer digitalen Bibliothek, für einem privaten, akademischen und industriellen Nutzerkreis attraktive Produkte und effiziente Dienste anzubieten, die diesem helfen, an das benötigte und gewünschte in digitalen Dokumenten gespeicherte Fachwissen zu gelangen.“ [Endres, Albert; Fellner, Dieter W.: Digitale Bibliotheken. Informatik-Lösungen für globale Wissensmärkte; Heidelberg: dpunkt, 2000, S. 81]

Was wird von einer digitalen Bibliothek gesammelt?

Dateien oder Bücher? Artikel oder HTML-Seiten?

2. Was sind die Produkte einer digitalen Bibliothek?

Digitalen Objekte und digitale Metadaten, in diesem Fall beschreibende Daten zu/in den digitalen Objekten.
„Ein digitales Dokument ist eine in sich abgeschlossene Informationseinheit, deren Inhalt digital codiert und auf einem elektronischen Datenträger gespeichert ist, so daß er mittels eines Rechners genutzt werden kann.“ [Endres, Albert; Fellner, Dieter W.: Digitale Bibliotheken. Informatik-Lösungen für globale Wissensmärkte; Heidelberg: dpunkt, 2000, S. 15]
Der Begriff des digitalen Dokumentes in diesem Zusammenhang hat sich inzwischen überlebt (veraltet?), besser ist der des digitalen Objektes.
Digital Object Architecture (DOA)
Digital Object Architecture provides a means of managing digital information in a network environment. A digital object has a machine and platform independent structure that allows it to be identified, accessed and protected, as appropriate. A digital object may incorporate not only informational elements, i.e., a digitized version of a paper, movie or sound recording, but also the unique identifier of the digital object and other metadata about the digital object. The metadata may include restrictions on access to digital objects, notices of ownership, and identifiers for licensing agreements, if appropriate.
siehe http://www.handle.net/ 15.03.2009

3. Wo liegen die Vor- und Nachteile von digitalen Objekten gegenüber analogen?

Speicherkapazität, Übertragungsgeschwindigkeit, parallele, weltweite Nutzungsmöglichkeit, selektive Informtionsverteilung (Aufteilung in kleine Einheiten zur zielgruppenspezifischen Distribution), Möglichkeit der weiteren Bearbeitung, verbesserte Erschließungsmöglichkeiten, heterogene Inhalte, …
versus
Abhängigkeit von interpretierenden Werkzeugen, leichte Manipulationsmöglichkeit, Speicherbedarf (v.a. digitalen Objekte mit multimedialen Inhalten), unbemerkte Beschädigungen oder Verlust, Langzeitarchivierung, …

4. Was ist eine in sich abgeschlossene Informationseinheit?

UniformResourceName bietet einen Persistent Identifier.

5. Dienstleistungen analoger versus digitaler Bibliotheken:

Dienstleistung herkömmlich digital
Zusammentragen Zusammengehörendes Material an einem Ort zusammenführen, so dass Leser einfachen Zugriff darauf haben. Einheitliche Zugriffsmöglichkeiten über Portale auf heterogenes und verteiltes Material.
Archivieren Bereithalten von möglichst umfangreichen physisch heterogenem Material, unabhängig von der aktuellen Nachfrage. Bereithalten von möglichst umfangreichen formatspezifisch heterogenem Material, unabhängig von der aktuellen Nachfrage.
Probleme bei der Langzeitarchivierung Schutz vor klimatischen und physikalischen Einflüssen („normale“ materialspezifische Überalterung, Benutzung, Licht, Wärme, Feuchtigkeit, Säurefrass, umstürzende Mauern …)
Formatalterung: Fremdsprachen, unbekannte Symbole, Nutzungsmodalitäten, …
Schutz vor klimatischen und physikalischen Einflüssen (materialspezifische Überalterung der Datenträger, Wärme, Feuchtigkeit, Magnetfelder, umstürzende Mauern …) -> Erstellen von Sicherheitskopien, die räumlich möglichst weit getrennt gelagert werden, regelmäßiges Umkopieren auf neue Datenträger.
Formatalterung: Datei- und Datenformate überaltern und werden unbenutzbar, wenn keine Interpretationsanweisungen (Formatbeschreibungen) erhalten bleiben bzw. keine Aktualisierungen vorgenommen werden.
Bestände erschließen Autoren-, Titel- und Sachkataloge Metadatenverwaltung, OPAC
Bestände bereithalten Freihandbibliotheken, Magazinbibliotheken, … meist mittels Webserver, aber auch auf Datenträgern möglich.
Bestände verbinden Fernleihoption Portale mit Verweisen auf oder oder Suchen über verschiedene bestehende digitale Bibliotheken

6. Wo liegen hier die Unterschiede?

Word-Dokument pdf-Dokumet jpg-Dokument

1. Volltext- versus Imagedigitalisierung.
2. Propritäre versus offene Dateiformate.

7. Wichtige Unterschiede zwischen CMS und digitaler Bibliothek?

  • provokane Gegenfrage: Wo sind die Gemeinsamkeiten?
  • redaktionelle Tätigkeit vs bibliothekarische Tätigkeit
  • Metadaten
  • (Langzeit)archivierung

8. Gibt es tatsächlich Digitale Bibliotheken als eigenständiges Produkt?

Handelt es sich nicht vielmehr ’nur‘ um Informations- und Kommunikationssysteme ?

Bitte lesen Sie dazu:

How to build a digital library
Witten, I. H ; Bainbridge, David ; Nichols, David M – 2nd ed, c2010 Online-Ressource
(E-Books / USB Köln – Teilbestand (Online-Vollzugriff))