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Formulierung eigener Themen

Eine Qualifikationsarbeit soll zeigen, dass Sie in der Lage sind, ein
wissenschaftliches Problem zu lösen und die Lösung angemessen
darzustellen. Für Bachelor liegt der Schwerpunkt dabei auf der korrekten und zielführenden Anwendung in der Literatur beschriebener, also bereits bekannter Methoden. Von Mastern wird erwartet, dass sie zumindest in einigen Bereichen über die reine Anwendung bekannter Verfahren hinausgehen, also Fragen lösen, die vor Ihnen noch niemand beantwortet hat. (Wenn dieses bei Promotionen zentrale Kriterium bei einer Masterarbeit auch nur in Teilen erfüllt werden muss.)

  • In der HKI ist diese grundsätzliche Forderung an drei Rahmenbedingungen
    gebunden:

    • Die Informationsverarbeitung vermittelt praktisches Handwerkszeug.
      Der Nachweis der Richtigkeit vieler postulierter Lösungen wird daher
      durch die Realisierung eines Programmierprojektes in vielen Fällen am
      einfachsten erbracht.
    • Handwerkliches Geschick ersetzt jedoch nicht die abstrakte
      Durchdringung; ein Softwaretool an sich ist also keine Qualifikationsarbeit.
      Diese setzt stets die Darlegung der hinter der demonstrierten
      Lösung stehenden Konzepte, im Kontext der entsprechenden fachlichen
      Diskussion, voraus.
    • Salopper: Wenn Sie ein glänzendes Softwarewerkzeug abliefern, aber nur die Handbücher der verwendeten Programmiersprache zitieren, handeln Sie sich eine katastrophale Note ein.

    • Die Informationsverarbeitung an sich vermittelt in erster Linie
      Kenntnisse über die Behandlung allgemeiner Klassen von "Information".
      Sie selbst formuliert keine inhaltlichen Probleme.
      Viele der von ihr behandelten Methoden lassen sich jedoch am besten
      demonstrieren und diskutieren, indem sie auf eine konkrete inhaltliche
      Fragestellung angewendet werden. (Auch wenn abstrakte, rein methodische, Arbeiten ohne weiters möglich sind.)
      Ich möchte Sie daher zu interdisziplinären Arbeiten, wobei ich von der
      Einschaltung eines Zweitgutachters / -betreuers, bzw. einer
      Zweitgutachterin / -betreuerin, aus dem jeweiligen inhaltlichen Fach
      ausgehe, ausdrücklich ermutigen.

Hinweis: Eine technische Lösung ohne theoretische Diskussion ist nie
ein geignetes Thema für eine Qualifikationsarbeit. Eine theoretische Darstellung, die auf
Grund ihres Abstraktionsgrades oder ihrer Komplexität im Rahmen einer
Qualifikationsarbeit nicht technisch überprüft werden kann, kann aber sehr wohl
ein geeignetes Thema sein.

Hinweis zum Hinweis: "Muss ich unbedingt Programmieren?" Nein. Wenn Sie sich die Frage so stellen, könnten Sie mit einer "rein theoretischen" Arbeit aber noch mehr Probleme kriegen, als mit einer die Programmieranteile enthält. Eine "rein theoretische" Arbeit in der Informationsverarbeitung / Medieninformatik besteht nicht in einem brillianten Essay über die Ästhetik von Videospielen; wenn die pragmatisch / empirisch / statistisch durchgeführte Untersuchung der Relevanz der Nutzung bestimmter ästhetischer Muster für die Akzeptanz von Spielen durch Nutzerinnen und Nutzer auch ein Thema sein kann. - Abgesichert durch einen soliden Überblick über die einschlägige Literatur.